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Buchvorstellung | Du neben mir – und zwischen uns die ganze Welt

Nie zuvor habe ich einen Roman über einen Menschen mit Immundefekt und die Auswirkungen auf dessen Leben gelesen und mich bewusst damit befasst. Diese moderne Rapunzel-Geschichte rückt diese Krankheit in den Fokus.

 

Worum geht es?

Madeline hat eine angeborene Immunschwäche. Sie lebt in einem sterilisierten, behüteten Zuhause und kennt nichts von der „echten Welt“. Ihre einzige konstante Gesellschaft sind ihre Mutter, selbst Ärztin, und ihre Krankenschwester. Jeder Tag verläuft gleich für sie. Das hat sie hingenommen, denn was bleibt ihr anderes übrig? Dann ziehen neue Nachbarn ein und Madeline nimmt mit dem Nachbarsjungen Ollie Kontakt auf. Anfangs kämpft sie gegen ihre aufkeimenden Gefühle für ihn an, denn ist es in ihrer Situation nicht aussichtslos? Aber irgendwann will Madeline mehr. Sie will leben  – und dafür alles riskieren …

 

Interessante Grundidee, schwächelnde Umsetzung

Diese Krankheit wurde in Romanen noch nicht oft aufgegriffen und so ist das Buch wenigstens in Bezug auf sein Grundthema originell. Durch das Fehlen tieferer Einblicke, wissenschaftlicher Hintergründe und fundierter Sachinformationen zum angeborenen Immundefekt kam es mir allerdings nicht immer gut recherchiert vor. Das Buch will vor allem die Gefühlsebene bedienen, doch auch in dieser Hinsicht konnte es mich nicht immer mitnehmen, da mir die Emotionen Madelines nicht immer glaubwürdig vorkamen (wobei ich mich auch nicht in ihre Situation hineinversetzen kann). Das gesamte Szenario erschien mir manchmal unlogisch und unrealistisch. Dies klärt sich wenigstens teilweise mit dem Ende, welches mir aber durch die unerwartete Wendung und das Aufgreifen eines anderen ernsten Themas nur als Notlösung erscheint. Yoon weicht ihre eigentliche Problematik auf, dabei wäre es interessant gewesen, wie sie diese löst.

 

Fazit

„Du neben mir – und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon hat zwar seine Schwächen, ist aber im Großen und Ganzen gelungen. Zu erwähnen ist vor allem, dass die Autorin auf gefühlvolle Weise auf eine seltene Krankheit aufmerksam macht. Zu empfehlen ist es auch, da die aufgeworfenen Fragen aufs eigene Leben übertragbar sind und mich zum Nachdenken bringen konnten. Trotz diesem sich bedrückend anhörenden Grundthema hat es seine humorvollen Stellen, ist flüssig geschrieben und Zeichnungen und kurze Abschweifungen, die sich mit Textpassagen abwechseln, verstärken diese lockere Grundstimmung zusätzlich. (ld)

 

d neben ,mir

 „Du neben mir – und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon, aus dem Amerikanischen übersetzt von Simone Wiemken (Dressler Verlag 2015, 335 Seiten)

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